Checkliste Interne Suche

Wie jeder weiss, hat das Thema “Suchen und Finden” in der digitalen Welt eine zentrale Bedeutung. Das gilt sowohl für den großen Zusammenhang, also für das Internet generell, als auch für die lokale Suche innerhalb einer Webseite.

In diesem Eintrag versuche ich die Eigenschaften einer lokalen Suche aufzulisten, die, meiner Meinung nach, auch von der einfachsten Implementierung erfüllt sein sollten.

Die Aufstellung bietet eine gute erste Grundlage, um eine Suchfunktion zu planen oder um eine bestehende Implementierung zu überprüfen.

Die folgenden Punkte sollten Sie minimal implementieren.  Andernfalls geben Sie ihren Besuchern das Gefühl, auf eine Seite von anno dazumal gestossen zu sein.  Mit weniger sollte man nicht starten. Hat man nicht alle, sollte man  nachzurüsten. Für eine Webseite, die hauptsächlich über Navigation und Verlinkung erkundet wird, ist dieser Feature-Satz aber auch ausreichend.

Grundlegende technische Eigenschaften

  • Tokenizing.
    Die Suche soll Suchanfragen in Suchtokens aufsplitten können. Die Suche nach “Miele Staubsauger” soll auch den Text “… die Staubsauger von Miele …” finden.
  • Suchindex.
    (Nicht nur) aus Performance-Gründen sollte die Suche nicht die Dokumente selbst durchsuchen, sondern einen Suchindex benutzen. Das geht schneller und bietet vielfältige Möglichkeiten, was Matching und Ranking  angeht. Der Suchindex muss entweder regelmäßig komplett erstellt werden, oder er muss inkrementell, während des Hinzufügens, Veränderns und Löschens von Dokumenten, geschrieben werden.
  • Ranking der Ergebnisse.
    Die Ergebnisse müssen in eine Reihenfolge gebracht werden. Relevante Treffer müssen vor weniger relevanten Treffern anzeigt werden. Dieses Feature ist entscheidend für die Qualität der Suche. Und natürlich alles andere als trivial.
  • Stopwörter.
    Wörter, die so häufig vorkommen und so unspezifisch sind, dass sie während des Rankings keinen Hinweis auf  die Qualität des Treffers liefern, sollen ignoriert werden. Im Deutschen wären das unter anderen zum Beispiel “in”, “auf”, “er”.
  • Boolsche Operatoren.
    Zumindest die Operatoren UND und ODER müssen unterstützt werden. Technisch bedeutet das, dass schon die grundlegende Implementierung der Suche eine Suchsyntax unterstützt.

User Experience

  • Schnellsuche: *Ein* Textfeld sollte an prominenter Stelle auf der Seite stehen, um die Sucheingabe aufzunehmen. Auf Webseiten, auf denen die Benutzer häufiger die Suche benutzen als die Seitennavigation,  sollte das Suchfeld an *sehr* prominenter Stelle stehen. Und es sollte tatsächlich *ein* Feld sein. In ein Feld “Pizza Hamburg” eingeben zu können, ist angenehmer, als in das Feld “Was” “Pizza” und in das Feld “Wo” “Hamburg” zu schreiben.
    Sollte eine detailliertere Suche angeboten werden, dann macht es Sinn, diese als zweiten Schritt anzubieten, für den Fall, dass das einzelne Textfeld zu viele Ergebnisse produziert oder dass die Suche sich nach wenigen, überschaubaren Kategorien einschränken lässt.
  • Eine Seite anbieten, die die unterstützte Suchsyntax beschreibt. Diese Seite wird nicht allzuhäufig aufgerufen werden. Aber sie hilft demjenigen enorm, der auf Ihrer Webseite wirklich etwas finden will.
  • Paging: Natürlich nicht alle Ergebnisse auf einer einzigen Seite anzeigen. Und natürlich nicht nur zwei Ergebnisse pro Seite anzeigen. Wie viele Ergebnisse pro Seite angezeigt werden, ist innerhalb eines sinnvollen Rahmens Geschmacksache und hängt auch sehr von der Darstellung der Treffer ab. Sich Seitenweise vorzuklicken ist nicht per se besser als zu scrollen. Und wenn man immer wieder scrollen muss, um am unteren Rand der Seite den Pager bedienen zu können, ist das auch kein Vorteil.
    Mir persönlich sind die 10 Ergebnisse pro Seite, die Google anzeigt, zu wenig. Von mir aus könnten es auch 50 Ergebnisse pro Seite sein.
    Wenn es Ihnen gelingt, Ihre Suchergebnisse übersichtlich darzustellen, und ihre Server ein paar Promille zusätzliche Last noch vertragen, dann finden wir die Darstellung von 50 Treffern pro Seite durchaus in Ordnung. Wir wissen alle, das die erste Ergebnis-Seite die wichtigste ist, und nur ein geringer Teil der Benutzer sich die Mühe macht, auf die zweite Seite zu wechseln. Warum also nicht die Anzahl der Artikel, die ihre Benutzer zu sehen bekommen, von Beginn an erhöhen?
  • Übersichtlichkeit:
    Bei der Darstellung der Ergebnisse auf Übersichtlichkeit achten. Thumbnails können beim Wiederauffinden und Einschätzen von Einträge helfen. Sie können aber auch einen unruhigen Eindruck verursachen; gerade auch, wenn sich Formate und Qualität der Bilder sehr stark unterscheiden. Möglichst nicht zu viele Informationen pro Eintrag zeigen. Wenn es in ihrer Domäne besonders wichtige Eigenschaften der gefundenen Artikel gibt, wie etwa eine Bestellnummer oder einen Autor, dann gehört das mit in den Eintrag. Es sei denn, Sie wollen den zweiten Klick haben. Dann gehört diese Information auf die nachfolgende Detail-Seite
  • Umgebung der Treffer anzeigen
    Neben dem Ranking der Suchergebnisse ist es für die Entscheidung des Benutzers, welches Suchergebnis er sich genauer anschaut, sehr hilfreich, den Kontext des Treffers in der Liste der Ergebnisse angezeigt zu bekommen.
  • Keine Ergebnisse
    Für den Fall, dass die Suche keine passenden Stellen finden konnte, dem Benutzer Alternativen aufzeigen. Wenn die Suche nur in einem bestimmten Bereich der Seite durchgeführt wurde, dann sollten Sie einen Link anbieten, der die Suche in anderen Bereichen – oder auf der kompletten Seite – wiederholt. Einen Link auf die Beschreibung der Suchsyntax, insbesondere dann, wenn die Eingabe nicht geparst werden konnte. Einen Link, auf die Detail-Suche, falls ihre Webseite eine solche anbietet.
Tags: , ,

geschrieben am 07.05.2009 um 16:05 in Netzgedanken von cf · RSS 2.0 feed.
Weder Pings noch Kommentare sind erlaubt.